Interview mit der Konditorenmeisterin Veronika Mader

Liebe Veronika Mader,

zunächst beglückwünschen wir Sie zu Ihrem tollen Meisterstück. Sie hatten die Idee ja bereits als Sie uns mit der Meisterschule der Konditoren aus München besuchten.

Herzlichen Dank für die Glückwünsche!

 

Was war der zündende Gedanke?

Wir durften das Thema für unsere Meisterprüfung frei wählen und bei mir war von Anfang an das Thema Natur im Kopf. Als Kinder waren wir sehr viel draußen und haben schon immer viel in der Natur und im Wald gespielt. Ich wollte die Natur und besonders den Wald in meiner Meisterprüfung irgendwie modern und frisch aber doch als erholsamen und vielfältigen Ort darstellen.

Der Hirsch, für mich ein sehr schönes und beeindruckendes Tier, sollte den Mittelpunkt meines Meisterschaufensters darstellen und quasi über allem stehen. Nach und nach sind die weiteren Ideen entstanden, die natürlich farblich, geschmacklich und optisch zum Thema passen mussten.

 

Wie viel Zeit wendet man ungefähr für so eine außergewöhnliche Arbeit auf?

Das  Meisterprüfungsprojekt haben wir in 24 Stunden (2 ½ Tage) in den Räumen der Münchner Meisterschule hergestellt. Die Zeit war sehr knapp und man kann sagen sie war unser größter Gegner. Aber wir haben die Herausforderung im wahrsten Sinne des Wortes gemeistert.

Das was im Vorfeld schon an Zeitaufwand nötig war, ist schwer zu fassen. Die ganzen Wochen und Monate zuvor war ich am tüfteln, experimentieren, Rezepte ausprobieren, habe mein Schaustück entwickelt, vieles verworfen, manches weiterverfolgt und weiterentwickelt und war mit den Gedanken auch außerhalb der Schule meistens bei meinem Projekt.

Auch muss man zusätzlich zum Schaustück an sich, Zeichnungen und Beschreibungen erstellen, Kosten kalkulieren und alle Rezepte schriftlich abgeben.

 

Ist alles von Ihnen handgefertigt?

Ja natürlich! Alles was in meinem Meisterprüfungsprojekt zu sehen ist wurde in den 24 h von mir selbst handgefertigt.

 

Insbesondere gefallen uns natürlich die Schokoladen-Kreationen. Wie kommt man auf die Idee?

 Die Schokoladen-Kreation schlechthin ist natürlich das Schaustück – der Hirsch. Aber auch der Tortenaufsatz (Blüte auf Wurzel) oder die Erdbeere auf der Eisbombe sind mit der Zeit und der vielfältigen und ausdauernden Beschäftigung mit dem Thema und dem „Werkstoff“ Schokolade entstanden.

Für die geschmacklichen Kreationen habe ich mir eine Liste gemacht welche Rohstoffe und Zutaten im Wald wachsen. Verschiedene Blüten, Wurzeln, Beeren, Blätter, Nüsse und Früchte standen dann dort auf dem Zettel und diese habe ich kreativ miteinander kombiniert und auch wieder viel ausprobiert.

Das Ergebnis bei den Pralinen war z. B. Pistazien-Crunchy-Schichtnougat, Kirschmarzipanpraline, Himbeer- Zitronenmelisse Formpraline, Cassis-Sauerrahm Formpraline, Tannenhonigtrüffel, Mandelsplitter mit Pinienkernen – hört sich lecker an, oder?

 

"Woidgschicht'n" sind Szenen oder Ausschnitte, die das Leben im Wald darstellen sollen, oder?

Ja genau und sie sollen vor allem darstellen, dass der Wald nicht nur Genuss für das Auge, sondern auch Nahrungsquelle für Mensch und Tier ist.

Dass einem mal wieder bewusst wird, wie wertvoll die Natur ist und dass es wichtig ist sie zu schützen und zu erhalten.

 

Die Krönung des Ganzen ist im wahrsten Sinne des Wortes der Kopf mit dem Geweih. Wie wurde dies modelliert?

Ursprünglich habe ich versucht mit Hilfe eines Deko-Hirschkopfes selbst eine Form zu machen was leider nicht so gut klappte. Bei der Besichtigung Ihres Betriebes kamen wir dann ins Gespräch und Sie haben sich bereiterklärt für mich eine Silikonform zu erstellen.

Vielen herzlichen Dank nochmal dafür!!

Der Kopf wurde mit Ihrer Form zuerst in Vollmilchkuvertüre gegossen, mit Schnitzwerkzeug habe ich ihm dann noch den Feinschliff verpasst und Leben eingehaucht. Das Geweih wurde aus einer gekutterten Zartbitterkuvertüre modelliert. Diese wird im Mixer so lange gemixt bis sie modellierfähig ist. Dabei ist der richtige Zeitpunkt extrem wichtig weil man schnell arbeiten und fertig sein muss,  bevor die Schokolade aushärtet. Geweih und Kopf wurden auch mit Schokolade verbunden. Sprühkuvertüre bildet den Untergrund der Farbgebung des Kopfes, zusätzlich wurden die Augen, das Gesicht und das Fell mit dem Pinsel bemalt und etwas strukturiert.

 

Ist alles echte Schokolade?

Ja, alles wurde aus echter Schokolade bzw. Kuvertüre gefertigt. Ich habe alleine für das gesamt Schaustück 5 kg Zartbitterkuvertüre, Vollmilchkuvertüre und weiße Schokolade verarbeitet. Man kann es quasi komplett essen, aber dafür wäre es zu schade.

 

Drei Dinge die Sie mit Schokolade verbinden?

Genuss, Kindheit, Besonderheit

  

Was bedeutet Schokolade für Sie?

Schokolade ist für mich ein sehr interessanter und vielfältiger Rohstoff, der für meine Arbeit sowohl Grundlage als auch das gewisse Etwas sein kann. Je nach Einsatzgebiet hat er viele Facetten die ich als Konditorin für das Gelingen meiner Kreation nutzen kann. Ich arbeite sehr gerne mit Schokolade und ja, es ist für mich persönlich schon auch ein Genussmittel.

 

Liebe Veronika Mader herzlichen Dank für das freundliche Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und eine "schokoladige Zukunft"!

 

 

Anforderungen des Meisterschaufensters:

  • Schaustück aus Schokolade oder Zucker oder beides passend zum Thema
  • 6 x 20 Pralinen unterschiedliche Sorten (1 x Mandelsplitter, 1 x Sorte Trüffel, 1 x Formpraline, Rest frei wählbar, nichts doppelt)
  • 4 Arten jeweils 3 gleiche Marzipanfiguren zum Thema passend
  • ein Schriftschild mit „Meisterprüfung 2019“
  • eine Anschnitttorte mit Stückgarnierung, Randgarnierung und Mitteldekor zum Thema passend
  • eine Eistorte mit Dekor und Aufsatz zum Thema passend
  • 3 x 10 verschiedene Blätterteiggebäcke
  • 4 x 10 Mousse- Sahne Fours oder Petit Fours
  • Ein Baumkuchen mit mindestens 15 Schichten gebacken und zum Thema passenden Dekoraufsatz
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Abschluss