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Schokohase statt Dreifachmörder

Anton AsangerZu dünn dürfen die Wadl nicht sein. Ein richtiger Fußballer braucht richtig stramme.

Das darf auf keinen Fall passieren, dafür verantwortlich ist Anton Asanger, 45, aus Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck). Gerade gibt er dem handhohen Fußballer aus Plastilin, der vor ihm auf der Arbeitsfläche in seiner Glonner Werkstatt steht, mit dem Modellierholz den letzten Schliff. Asanger schabt den Arm zurecht. Einen Ball hat der Kicker schon in der Hand, bundesligatauglich sieht er nicht aus. „Der hat Babyspeck“, sagter und lacht. Macht nichts, der Fußballer wird nie in einem Stadion landen, eher im Mund. Asanger ist Designer für Schokoladenformen. Schoko-Künstler.

Alles, was er mache, muss „schokotechnisch umsetzbar sein“, sagt er. Figuren mit dünnen Wadl gehen nicht, ausgestreckte Arme sind schwierig, gibt Probleme. Die Figuren brechen. Besser sind dicke Bäuche und klobige Schuhe, freut sich auch der Kunde. An einem dicken Nikolaus ist nun mal mehr Schokolade dran. 

Asanger arbeitet beim Glonner Schokoformen-Hersteller Hans Brunner. „Jeder kann sich meine Werke leisten“, sagt er. Meistens reicht schon das Taschengeld. Aus seinen Formen, die er mit Bleistift vorzeichnet,entstehen dann irgendwann Nikoläuse, Pralinen, Schoko-Lutscher. Asanger macht die Menschen glücklich. So oder so. Wem seine Figuren nicht gefielen, der könne sie immer noch essen, sagt er.

Ein ruhiges Händchen brauche man für den Beruf, Kreativität, zeichnen und modellieren sollte man können. 25 Jahre lang war Asanger Porzellanmaler, danach hat er drei Jahre beim Landeskriminalamt in München gearbeitet, hat Phantombilder gezeichnet. Irgendwann haben ihm die Verbrecher gereicht. „Ich mag es, wenn mich ein fröhliches Gesicht anschaut.“ Anstatt grimmige Dreifachmörder zu zeichnen, entwirft er jetzt lieber Schokohäschen. Erst seit wenigen Monaten ist Asanger Schoko-Künstler. „Es ist ein Pilotprojekt.“ Seine Kreationen gehen in die ganze Welt. Nach Belgien, in den Libanon, zum Konditor ums Eck. 

Für einen aufwändigen Nikolaus braucht er zwei Tagen, für einen schlichten Schneemann zwei Stunden. „Ich versteige mich nicht zum großen Künstler“, sagt er, aber so ein gutgelaunter, dickbäuchiger Schoko-Fußballer, der Entwurf ist für die WM 2010, macht das Leben irgendwie wohliger. Da hat sich jemand Gedanken gemacht, da will jemand mit Kleinigkeiten ein Lächeln auf Kinder- oder Elternlippen zaubern – sei es mit glubschäugigen Hasen oder angemoppelten Kickern. Da hat jemand Schokolade im Herzen. „Es ist ein Traumjob“, sagt Asanger, der schon mal Supermärkte auskundschaftet, ob denn was von ihm im Regal steht.

Schokolade, Lieblingsgeschmack zartbitter, hat es Asanger angetan. Untreue ausgeschlossen. „Mit Gummibärchen kann ich nix anfangen“, sagt er. Dann greift er zum Modellierholz. Der Fußballer ist wieder an der Reihe. Er muss fertig werden. Nächsten Sommer ist Weltmeisterschaft.

Von Stefan Sessler




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